Durch die Jahre habe ich immer wieder mal daran gedacht, daß man doch
eigentlich mit dem Modellflugzeug auch tolle Luftbilder schiessen könnte. Abgehalten hat mich
die Tatsache, daß ich einerseits meine teure Spiegelreflexkamera nicht riskieren wollte und
andererseits die preiswerten Wegwerfkameras oder Ritschratschklick- Kameras (wer kennt die noch?)
miserable Qualität boten. Mangels Motor für den Fimtransport hätte man immer nur ein Bild pro Flug
machen können. Ausserdem, jedesmal erst zum Labor rennen, Tage warten und dann
richtig Geld für Abzüge hinlegen? Also wurde die Idee immer wieder verworfen. Dann kam die
digitale Fotografie auf. Auf einmal gab es sehr kleine, leichte und preiswerte Digitalkameras.
2003 konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir für kleines Geld eine Mustek Gsmart2 mini.
Mein allererstes Luftbild war gleich gar nicht so schlecht, was mich motiviert hat, damit
weiter zu machen.
Wie muß ein Modellflugzeug beschaffen sein, um ein guter Kameraträger zu sein? Die Frage ist so nicht zu beantworten, weil die Anforderungen sehr breitgefächert sein können. Gute Kurzstart- und Kurzlandefähigkeiten für das Fliegen in beengten Gebieten oder eher groß und stabil für echte Höhenflüge bei jedem Wetter? Schnell oder langsam? Wendig oder eigenstabil? Welche Last soll getragen werden? Wie soll die Kamera orientiert sein, nach vorne, nach hinten oder zur Seite? Eher horizontal oder nach unten? Es sind also viele Fragen zu beantworten und es ist höchst unwahrscheinlich, daß ein einzelnes Modell die befriedigende Antwort auf alle Fragen sein kann. Mein erster Kameraträger war ursprünglich ein großer Indoor- Slowflyer namens Daktari mit 130 cm Spannweite bei 300 Gramm Gewicht, der extrem eigenstabil flog. Wie ich heute weiß, war dieses Modell, mal abgesehen von der Windempfindlichkeit, schon ziemlich gut geeignet. Es war mit einem Mini-LRK ordentlich motorisiert und wendig genug, um auch mal in engeren Gefilden einem gemeinen Springbaum auszuweichen. Die leichte Mustek Gsmart2 mini war einfachst mit Doppelklebeband und an nahezu beliebiger Stelle an die geraden Rumpfflächen anklebbar.
Nachdem Daktari sein Leben irgendwann an einer Hallenwand beendete,
mußte Ersatz her. Die Entwurfsziele waren hohe Steig- und Sinkwerte bei geringer Fluggeschwindigkeit
, um keine allzu hohen Anforderungen an das Gelände zu stellen. Es entstand ein Hochdecker
aus 6mm Depron mit 140 cm Spannweite und großflächigen fixen Flaps an der Flächenendleiste.
Als Antrieb war ein soft gewickelter DoppelConrad eingebaut, der aus einem 3s2p 1100er Konion-
LiIon- Akku gespeist wurde. Das hat alles prima funktioniert bis zu jenem Tag, an dem die Regler-
BEC sich überlastet fühlte. Nachdem die BEC dann kurzeitig beschloss, dem Empfänger doch noch mal
ein wenig Energie zukommen zu lassen, sah ich meine Chance gekommen und landete.....
.....in einem Baum. Bei diesem Flug war die Kamera dabei und lief zufälligerweise im Videomodus.
Seht euch das Elend auf meiner Videoseite unter Vatertag 2004 an.
Als Kamera war bei diesem Flug eine ebenfalls sehr preiswerte Aiptek Pencam dabei. Die Beschädigungen am Rumpf ließen eine
Reparatur übrigens nicht sinnvoll erscheinen, der Flügel hats unbeschadet überstanden.
Nachdem nun auch der Hochdecker geschrottet war, mußte wiederum Ersatz
her. Also versah ich meinen alten Elektrosegler "E-soft" mit einer Kamerahalterung und los gings.
Aufgrund der ruhigen Fluglage habe ich mit diesem Modell viele gute Fotos machen können und in dieser
Zeit dann auch auf eine höherwertige Kamera (Nikon Coolpix 3700) mit CCD- Chip aufgerüstet. Der
ursprüngliche Antrieb, bestehend aus einem Keller 22/9 und 8 NiCD- Zellen a 1,3AH war zwar Anfangs
der 90iger State of the Art, wurde aber im Zuge des Luftbildeinsatzes durch einen heiß gewickelten
Doppelconrad an 3S2P 1100er Konion LiIon-Akkus ersetzt.
Die Steigleistung war danach durchaus befriedigend und die Gewichtsersparnis
kompensierte das Gewicht der Kamera komplett. Hier kommt ihr zu einem kurzen Video (4,5MB) von einem
Steigflug mit nach hinten zeigender Aiptek SD 2meg.Steigflug mit Doppelconrad
Im weiteren Verlauf habe ich dann auch mit anderen Kamerapositionen experimentiert.
Ein Video (15,5 MB) mit der Aiptek an der Flügelspitze findet ihr hier:Vatertag 2005.
Bei rcgroups, dem grössten amerikanischen Modellbauforum, gibt es
ein sehr aktives Unterforum für Luftbilder und Videos. Das dort mit weitem Abstand am häufigsten
verwendete Modell ist der Slowstick der taiwanesischen Firma GWS. Nachdem die Amis voll des Lobes
sind, habe ich mir für einen erstaunlich geringen Preis einen Bausatz zugelegt. Von Bauen kann allerdings
kaum die Rede sein, es handelt sich eher um eine Montage perfekt zusammenpassender Plastikteile
ohne Verwendung irgendwelchen Werkzeugs. Als Antrieb liegt ein Speed 400 mit einem kugelgelagerten
Getriebe und passender Luftschraube bei. Der Slowstick macht seinem Namen alle Ehre. Er fliegt sehr
langsam und ruhig. Ich habe zur Beruhigung meines Gewissens einige Verstärkungen aus Strapping-Tape
angebracht und verkneife mir das Fliegen bei Wind. Ansonsten ist der Slowstick ein sehr geeigneter
Kameraträger. Der mitgelieferte Antrieb harmoniert gut mit dem Modell, das Getriebe erinnert allerdings
vom Geräusch her an eine Rübenmühle. Zwischzeitlich treibt daher ein Conrad
an 3s1p 1100er Konion LiIon- Zellen den Slowstick völlig geräuschlos an.
Der Easy Glider von Multiplex bietet sich für den Umbau zum Kameraträger regelrecht an.
Da aber in einigen Foren die recht bescheidene Qualität des originalen E- Antriebssets bemängelt wurde, habe ich mir
für einen günstigen Preis die Segelvariante "RR" (ready for radio) gekauft. Da gerade ein DoppelConrad frei war,
habe ich diesen eingebaut. Hinter einem Graupner- Turbospinner mit 50 mm Durchmesser ergibt sich ein gefälliger
Rumpfübergang. Da der Doppelconrad fast 100 Gramm wiegt, liegt der Schwerpunkt mit dem verwendeten 2S 1800er Polyquest
Lipoakku zu weit vorne. Daher ist die Kamera hinter den Schwerpunkt gewandert. Dort ist sie mit einem einstellbaren
Stativkopf befestigt. Erste Probeflüge waren vielversprechend.
Bei Vollgas liegen 18 Ampere an und es ergibt sich ein ordentlicher Steigflug an einem Graupner CamGear-Prop mit 11x8 Zoll.
Der Doppelconrad könnte viel mehr, von daher kann man über den Sinn dieser Auslegung streiten. Egal, er war halt gerade
verfügbar und das Ganze funktioniert. Das Gesamtgewicht mit Kamera beträgt 1050 Gramm.
Dieses Thema will ich nicht groß vertiefen, weil ich von der Theorie
und Technik digitaler Fotoapparate keine Ahnung habe. Daher hier nur ein kurzer pragmatischer
Versuch der Beschreibung: Alle sehr preiswerten Kameras, die mir untergekommen sind, hatten
einen sogenannten CMOS- Chip. Dieser Chip ist für das Wandeln und Abspeichern der Lichtinformation
in ein digitales Foto zuständig. CMOS- Chips speichern zeilenweise, was bei bewegter Kamera, und
damit haben wir es ja zu tun, zu seltsamen Wellenlinien etc. führen kann. Ein schönes Beispirel dafür
könnt ihr weiter unten bei den Beispielfotos ansehen. Bildschärfe, Farbsättigung
und Kontrast hängen stark von der Lichtsituation ab. Da diese preiswerten Kameras im Regelfall
auch über qualitativ schlechtere Objektive verfügen, ergeben sich insgesamt schlechtere Bilder.
Fazit: preiswert, leicht, für Experimente geeignet, für geringe Qualitätsanforderungen.
Falls es etwas besseres sein soll, lohnt sich der Einstieg mit einer Kamera mit CCD Chip. Hier hat
sich in den letzte Jahren eine Klasse ultrakompakter Kameras entwickelt, die bei Gewichten zwischen
130 und 200 Gramm mit jeder Menge Features aufwarten und ordentliche Bilder ermöglichen. Als
Beispiel sei die zwischenzeitlich leider aus dem Angebot genommene Nikon CP 3700 genannt.
Fazit: höherer Preis, gute Fotoqualität, Einstellmöglichkeiten, langfristig wird man damit
eher glücklich.
Allerdings sei hier nochmal daran erinnert, daß zumindest ich ohne das Auftauchen der preiswerten
CMOS- Kameras nicht mit der Luftfotografie begonnen hätte.
Ich kenne 3 Methoden. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Eine dem Optimum nach meinem
Dafürhalten sehr nahekommende Lösung ist ein Infrarotschalter. Dieser erfordert aber, daß die Kamera
herstellerseitig mit einer Infrarotschnittstelle ausgestattet ist. Verschiedene Ultrakompaktkameras verfügen
darüber bereits. Details hierzu in der nachfolgenden Übersicht bei den elektronischen Schaltern. Dies ist eine einfache Methode. Ein einfaches kleines Servo wird so an die Kamera angeklebt, daß der Servohebel
Dies ist eine recht elegante Methode. Falls die Kamera über eine Infrarotschnittstelle verfügt, besteht die Möglichkeit,
einen IR- Schalter zu verwenden Dieses kleine Modul wird aussen in der Nähe
des IR-Sensors der Kamera befestigt und sendet bei Betätigung des zugeordneten Tasters oder Knüppels ein IR- Signal an die
Kamera. Diese löst dann aus. Der große Vorteil dieser Lösung besteht darin, daß keinerlei Eingriff in die Kamera notwendig
wird. Auch wird nichts angeklebt, die Kamera bleibt, wie sie ist. Solche Schalter gibts beispielweise von dem User "MX"
bei RCgroups.com oder auch von Michele Schiepatti, Link etwas weiter unten.
Eine weitere Gruppe elektronischer Schalter sind diejenigen, die den unter dem Auslöseknopf liegenden Mikroschalter überbrücken.
Leider muß hierzu die Kamera geöffnet werden, um das Kabel an die Kontakte des Schalters anlöten zu können. Das sollte nur
der versuchen, der bereits über ein wenig Erfahrung beim Löten auf kleinstem Raum hat. Gute Augen oder eine Lupe helfen sehr.
Desweiteren muß das Kabel nach aussen geführt werden; man muß einem Durchbruch im Gehäuse schaffen. Die Kameragarantie hat sich
nach solchen Eingriffen naturgemäß erledigt.Die meisten dieser Schalter haben zusätzlich noch programmierbare Funktionen wie
beispielsweise Intervallauslösung. Dies kann sehr praktisch sein, weil vor allem einfachere Kameras sich häufig nach kurzer
Zeit von alleine ausschalten, um die Batterie zu schonen. In diesem Fall kann man das Auslöseintervall so programmieren, daß
kurz vor der Abschaltung automatisch ein Bild gemacht wird, woraufhin die aktive Phase von vorne beginnt.
Bei besseren Kameras ist die Ausschaltzeit einstellbar. Ich habe beste Erfahrungen mit dem
Schiepatti-switch von
Michele Schiepatti aus Mailand gemacht. Preiswert, ruckzuck geliefert und sehr funktionell.
Diese Methode verwende ich zur Zeit am liebsten. Meine Nikon CP 3700 verfügt über ein spezielles Sport- Auslöseprogramm. In diesem Programm schießt die Kamera sehr schnell hintereinander drei Bilder. Hält man nun den Auslöser weiter gedrückt, zum Beispiel mit einem über den Auslöseknopf gespannten Gummiring, schießt die Kamera alle 1,5 bis 2 Sekunden ein weiteres Bild, bis 200 Bilder aufgenommen sind oder der Chip voll ist. Bei 200 Bildern habe ich regelmässig 30 akzeptable und 4-5 recht gute Bilder dabei. Der Rest wird später am PC gelöscht. Da inzwischen die meisten Kameras über solche speziellen Programme verfügen, kann man ja beim Fotohändler mal testen, ob die ins Auge gefasste Kamera über ein für unsere Zwecke nutzbares Feature verfügt. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, daß ein zielgerichtetes Auslösen nicht möglich ist. Die Kamera machts alleine und man lässt sich eben später überraschen, was nun eigentlich drauf ist auf den Bildern.