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In der zweiten Hälfte der 70iger Jahre tauchten am Markt die ersten
Elektroflieger auf. Pioniere der ersten Stunde wie beispielsweise Fred Militky hatten die
technische Entwicklung soweit vorangetrieben, daß sich große Hersteller wagten, entsprechende
Produkte anzubieten. In Erinnerung sind mir von Multiplex der E1 und von Graupner die Modelle
Hi-Fly und Mosquito. Allen gemeinsam war die Auslegung als langsamer leichter Thermiksegler mit
tragendem Profil und die Verwendung untersetzter Antriebe aus dem Hause Mabuchi. Als Akku
diente im Regelfall ein 7-Zeller der Sub-C- Größe aus dem Hause Varta. 1200 Milliampere gingen
da damals rein. Raus weniger, selbst bei geringsten Strömen. Auf irgendeinem Flugtag sah ich
das dann mal live. Funktionierte tatsächlich, wenn auch die Steigflüge eher bescheiden waren.
Zurück zu Hause wurde ein in der Ecke stehendes 1:12er RC-Car als Spender ausersehen und seines
Mabuchi 550, des mechanischen Widerstandsreglers und seines 6-zelligen Varta-Akkus beraubt. Diese
Ingredienzien wurden dann samt einer vom OS/ Max-15 Verbrenner abgeschraubten grauen Graupnerluftschraube 7x5 in
meinen alten Amigo verpflanzt. Voila, mein erster Elektroflieger. Am drauffolgenden Wochenende
schob ich diese Gemeinschaft konsequenter Wirkungsgradverweigerer dann frohen Mutes in die Luft.
Ein Steigflug war leider nicht zu machen, aber "es" sank immerhin auch nicht. Vor lauter Begeisterung
flog ich nun also in Augenhöhe dahin, bis der nachlassende Akku mich dann in weiter Ferne zu einer
Aussenlandung zwang. Am Ort des Geschehens angekommen lernte ich etwas Neues:
(Akku)Masse x Geschwindigkeit = KRACKS! Mein schöner Amigorumpf hatte etwas gelitten. Dies war Ansporn genug
für weitere Experimente. Leider gibt es aus jener Anfangsphase keine Bilder, als junger Kerl steckte
ich die raren D-Mark lieber in Modelle wie in eine Kamera. Es folgte ein einfacher kantiger Hochdecker
mit 130 Zentimeter Spannweite, sehr leicht in Balsa mit Papierbespannung gebaut. Als Antrieb verwendete ich
nun einen Mabuchi Speed600 mit einer 7-Zoll Luftschraube unbekannter Herkunft und, aufgepasst, einem
achtzelligen NiCd- Akku von Sanyo in rot mit einer Kapazität von 1200 mAH. Das wars! Der Antrieb heulte
ordentlich und siehe da, für fünf Minuten war ordentliches Fliegen möglich. Na also, geht doch.
In den folgenden Jahren packte mich das seinerzeit grassierende Schnuppi- Fieber. Schnuppis waren kleine, mittels
Speed 400 motorisierte Pylonmodelle, mit denen man schon richtig Spaß haben konnte. Die FMT hat seinerzeit
meinen Schnuppi "Powerzwerg" als Beilagebauplan veröffentlicht.
Es folgten diverse Eigenbauten, darunter auch der E-SOFT, der wohl die meisten Flugstunden
all meiner E-Modelle auf dem Buckel hat. Von der Antriebstechnik her war ich inzwischen bei den Keller- Motoren angelangt.
Im E-soft werkelte ein Keller 22/9 an einem edlen Krusegetriebe und für den Vortrieb war eine 12-zöllige
Rasa- Klappluftschraube zuständig. Das war schon prima. Im Folgenden lasse ich eine kleine Auswahl der Elektro- Modelle
Revue passieren, die bei mir in knapp drei Jahrzehnten Elektroflug bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Das Race-Cat ist der wohl bekannteste Entwurf aller Schnuppis gewesen.
Aus der Feder von Werner Dettweiler und 1984 in der FMT als Beilagebauplan veröffentlicht, stand einer weiten Verbreitung
nichts im Wege. Kennzeichnend für die Schnuppi-Klasse war der Antrieb mit einem Mabuchi Speed-500 und 7 Zellen der SCR-
Größe. Bei einer Spannweite von 80 Zentimeter und einem Abfluggewicht von 950 Gramm ergab sich bei Race-Cat eine
Flächenbelastung von 66 Gramm/ dm2. Damit ging schon was! Heute würde ein vergleichbares Modell allerdings höchstens die
Hälfte wiegen und wäre nochmal deutlich schneller. Egal, damals war es eine tolle Sache. In diesen Jahren war ich regelmässiger
Besucher des Winterfliegens in Bad Nauheim. Dort flog man Schnuppi- Pylon bei jedem Wetter. Selbst bei Nebel. Ich kann mich an
ein Jahr erinnern, in dem der hintere Pylon nur schemenhaft zu erkennen war. Spaß hatten aber alle! :-) Ich habe drei oder
vier Race-Cats gebaut. Das erste hatte noch einen 0,8 Kubik- Cox Verbrenner an Bord. Die letzte Version war eine auf 130 Prozent
vergrösserte Variante, die dann mit einem Keller 22/9 an 10 Zellen schon richtig Eindruck machte.
Der Powerzwerg ist ein Modell aus meiner Feder, das in der FMT
7/95 als Beilagebauplan veröffentlicht wurde. Powerzwerg ist ein kleiner, für seine Zeit flotter Schnuppi mit Speed 400- Antrieb
gewesen. Heute würde das erreichbare Tempo niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Komplett aus Balsa wog Powerzwerg bei 80
Zentimeter Spannweite 490 Gramm. Davon entfielen damals alleine 170 Gramm auf den Akku. Dem damaligen Trend folgend hatte
Powerzwerg übrigens nur ein Querruder. Demzufolge war das Kurvenverhalten rechts/ links leicht unterschiedlich. Man gewöhnte sich
aber schnell daran und wenn es um die Pylone ging, wars eh egal Sunfly war ein E-Segler im Vertrieb bei Aeronaut. Für die Konstruktion war, wenn ich mich
recht erinnere, Rudolf Freudenthaler verantwortlich. Mein Bausatz bekam einen Keller 40/10 und 16 SCR-Zellen spendiert.
Der Bausatz selbst war sehr durchwachsen. Beispielsweise war eine Flügelwurzel runde drei Millimeter dicker wie die andere.
Das zog sich wohl durch die gesamte Produktion. Wir haben im Bekanntenkreis mehrere Baukästen gehabt, alle gleich.
Entschädigt wurde man dann aber mit hervorragenden Flugeigenschaften. Das Modell nahm prima Thermik an und war sehr
harmonisch zu fliegen. Einfach schön. Bis zu jenem Tage, an dem bei meinem Sunfly bei einer langsam geflogenen Rolle ohne
jede Vorwarnung eine Fläche abbrach. Der Rest legte die verbliebenen rund 100 Höhenmeter in Rekordzeit zurück.
Nach dem Ausgraben war nicht mehr viel verwendbares zu finden. Bedenklich war das, weil laut Herstellerangaben weit höhere
Lastfälle zulässig sein sollten. Ich habe das Bruchstück zu Aeronaut geschickt. Nach kurzem Briefwechsel stand fest: Ich war
schuld, irgendwie. Nun gut, die bei uns verbliebenen Sunflys wurden aus dem Verkehr gezogen. Niemand wollte riskieren, damit
weiterhin zu fliegen. Aeronaut- Modelle hat bei uns niemand mehr gekauft. Übrigens gab es bei Aeronaut noch eine heissere
Variante namens Surprise 2. Es gab ein nettes Wortspiel in jener Zeit. Aus "Surprise Two" wurde "Surprise too"... :-)
Eigentlich ist das Ganze sehr schade. Hätte man dem Sunfly einen ordentlichen Holm verpasst, wäre das ein Supermodell
gewesen. So, ohne Holm, eben nicht. Zum Silk gibt es nicht viel zu sagen. Der Bausatz von SMG ist ordentlich gefertigt
und es entsteht ein E- Segler mit guten Flugleistungen. Nicht so gut wie der Sunfly, aber absolut zuverlässig. Mein Silk
steigt mit einem Ultra 1200 an 12 Zellen ordentlich. Die Cobra ist 2001 aus einem Bausatz von Potensky/CZ als Nachfolgerin
des Baby entstanden. Cobra besteht aus EPP und GFK- Frästeilen, die Leitwerke aus Depron.
Als Antrieb verwendete ich einen mit 16 Windungen vergleichsweise scharf gewickelten Conrad
an 8 500er NiMH- Zellen.Cobra war eine Zeit lang mein Immer dabei- Flieger. Unkritisches Flugverhalten, wendig und aufgrund
des verwendeten Materials EPP hart im Nehmen. Cobra war dann auch mein erstes Modell mit Onboardvideoausrüstung.
Der einzige Nachteil war, das Figuren wie Rolle oder Looping nicht wirklich sauber zu fliegen waren. Cobra neigte zum
Ausbrechen. Daher wurde sie irgendwann durch den weiter unten beschriebenen Light-X-Free ersetzt, der dies viel besser kann. Die Tiger-Moth ist für mich eines der schönsten Flugzeuge aller Zeiten. Ich habe
mehrere Versionen gebaut. Die hier gezeigte Variante hat jetzt zwölf Jahre und viele Flugstunden auf dem Buckel. Erstaunlicherweise
ist noch immer der ursprüngliche billige Mabuchi Speed-500 an Bord. Er treibt über ein edles Kruse Zahnriemengetriebe an 8 NiCD- Zellen
zu 1700 mAH eine relativ große Latte an. Ich bin gespannt, wann der Motor mit abgebrannten Kohlen aufgibt. Sobald dies eintritt, wird auf
Doppelconrad und LiIon- Zellen umgerüstet. Das sollte das Gewicht von aktuell rund 1400 Gramm drastisch reduzieren. Da die Motte
aber auch so gut fliegt, bleibt sie bis dahin, wie sie ist. Zwischen drin muß die Motte immer wieder auch mal für kleine Experimente
mit ungewöhnlichen Kamerapositionen herhalten. Southern-SX-2 ist eine Konstruktion des Japaners Yoshi Sekiai.Abgrundtief
hässlich einerseits, genial konstruiert andererseits. Der gesamte Flieger besteht ausschlieslich aus 3mm und 5mm EPP-Platten.
Dadurch ist er vollkommen biegbar und nahezu unzerstörbar. Bei heftigen Einschlägen reisst das Material höchstens irgendwo
leicht ein. Ein wenig Uhu-Por in den Riß gerieben, etwas warten, und weiter gehts. Dies ist bis heute das einzige Flieger,
mit dem mir die Torque-Rolle über einen längeren Zeitraum gelang. Besonders gut geht auch der Messerflug. Das einzige, was man nicht
machen sollte, ist, den Flieger über längere Zeit im aufgeheizten Auto liegen zu lassen. Dann löst sich nämlich innen der mit
Uhu-Por eingeklebte Flügelholm und das wars dann. Ratet mal, woher ich das weiß! :-( Der Jet ist ein kleines Delta aus 6mm Depron. Eine kurze Baubeschreibung
erschien 2005 in der "Modell". Das knuffige Design gefiel mir und der kleine Flieger war in wenigen Stunden zusammengeklebt.
Die Kabinenhaube habe ich aus einem kurzen Stück blauem Schrumpfschlauch gezogen.
Als Antrieb dient einer von Dieters CDRom- Umbauten an 3 seriell verschalteten Kokam 360er Lipozellen. Damit steigt der Jet
locker senkrecht auf 70 bis 80 Meter Höhe, bevor ihm die Puste ausgeht. Er ist sehr wendig und aufgrund der geringen
Flächenbelastung kann man auch sehr schön in Bodennähe enge, langsame Manöver fliegen. Fazit: Viel Spaß bei wenig Aufwand. Der Light-X-Free ist ein EPP- Kunstflugmodell aus einem Bausatz von
Effektmodell. Beim Auspacken der Bauteile war ich sprachlos.
Die EPP- Teile waren von hervorragender Qualität, äusserst durchdacht und komplex geschnitten und passten saugend ineinander.
Der Zusammenbau war ein Klacks. Meine Light-Version war nochmal extra ausgehöhlt und erleichtert. Um alle Achsen gesteuert und
mit einem Conrad an drei in Serie geschalteten Konion-1100er Zellen ausgerüstet
ist Light-X-Free ein präzise fliegendes kleines Turngerät für den Nahbereich. Ich habe kurz überlegt, hier ein Onboardvideo
einzufügen, habe es dann aber gelassen. Da der Flug nur aus Rollen, Loopings, Trudeln und so weiter bestand, wird einem beim
Betrachten des Videos nach kurzer Zeit schwummerig :-). Das EPP- Brettchen ist eine kleine Schaumwaffel aus 4 perfekt
cnc-geschnittenen EPP Teilen. Diese Kerne habe ich auf einem Indoormeeting spontan aus einer Kiste voller Kerne für kleines Geld
gekauft. Claude Ruppert hat das Modell entwickelt und einen tollen Wurf gelandet. Der Aufbau dauerte aufgrund der bereits
vorhandenen und sehr durchdachten Ausschnitte nur circa 2-3 Stunden. Bei 70 Zentimeter Spannweite fliegt das Teil mit einem
von Dieters CDR- Motoren an drei 720er Lipozellen und Günniprop rund 10 Minuten und bietet Spaß pur. Der mittlere Stromverbrauch
ergibt sich dabei zu rund 4,5 Ampere, ein erstaunlich geringer Wert. E-FluFlu-III ist entstanden durch Elektrifizierung meines Horten-Nurflügels
FluFlu-III. FluFlu-III ist Baujahr 1997 und sollte eigentlich schon damals elektrisch gebaut werden. Der geplante Keller 40-10 und die 16
Zellen NiCad 2400 schienen mir dann aber doch zu schwer und ich schwenkte während des Baus auf einen reinen Segler um. In Vorbereitung auf das
Nurflügeltreffen 2009 in Wehrheim entnahm ich rund 600 Gramm an Gewicht in Form eines dicken Empfängerakkus und Trimmblei aus FluFlus Nase. Dieses
Gewicht wurde durch einen Aussenläufer der Marke Scorpion 3026/1190 V2 und einen Lipo 3S 3200 Saehan an einer APC 11x7 ersetzt.
Voila, ein E-Segler ohne jedes Mehrgewicht. Seit 2005 nehme ich regelmässig am Dauerflugwettbewerb der MFG Weilmünster
teil. Die Regeln sind sehr einfach. Eine Stunde fliegen und der mit dem leichtesten Akku gewinnt. Nachdem im Jahr 2010 erstmals kein
Malus für die Verwendung von Lipo-Akkus im Reglement zu finden war, baute ich mir unter Verwendung von Teilen des Freiflugmodells Merlin von
Modellbau Thiele ein nur 230 Gramm leichtes Modell namens QED (Quod erat demonstrandum)
speziell für den Wettbewerb. Mit einem nur 40 Gramm schweren Akku konnte ich die Stunde locker durchhalten, was mir den ersten Platz einbrachte :-).
Video: Cobra, erstes Onboardvideo/youtube-externer Link
Video: Onboard Tiger-Moth/ 3,5 MB
Video: Unzerbrechlich!/ 1,4 MB
Video: Jet/ 6,3 MB
Video: Spaß mit dem Brettchen/6,6 MB

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